Südamerika

Planung und Vorbereitung einer neuen mehrmonatigen Reise


EL VAGABUNDO
 

August 2006 - über ein Jahr haben wir gesucht....

....nun hoffen wir, das richtige Fahrzeug für uns gefunden zu haben.

 


Baujahr 1988 - Allrad betrieben - fertig ausgebauter Campingbus...


Er wird es schaffen und uns ein treuer Begleiter werden, davon sind wir überzeugt.


Spätsommer 2007

Prolog

Majestätisch gleitet fast lautlos die Gran Amburgo der Grimaldi Group in den Hamburger Hafen, lediglich das Stampfen und Donnern der Maschinen ist zu hören. Alle dunkel von der Seeluft gebräunten Arbeiter und Matrosen stehen an Deck und winken mit weißen Taschentüchern dem im Hafen wartenden Personal zu. Routiniert steuert der Kapitän den weiß gelben Riesenfrachter an seinen vorgesehenen Anlegeplatz. Das Ziel Hamburg ist erreicht und zumindest für kurze Zeit wird der riesige Frachter hier zu Hause sein, bevor er sich wieder schwer beladen am 28.09.2007 auf macht, um nach Südamerika zu fahren. Durch Wind und Sturm wird die Gran Amburgo gegen Wellen und Wasser kämpfen, nur um unseren 4 Wheel Drive, 18 Jahre alten, an einigen Stellen leicht angerosteten, aber sonst bei bester Gesundheit befindlichen und mit etwas kleinem Tank ausgerüsteten, aber dafür mit Ventilator und Spiegelfolien bestückten, mit dem klingenden Namen „EL VAGABUNDO“ getauften MITSUBISHI L 300, sicher nach Buenos Aires zu bringen. Genau dort soll unser Abenteuer durch Argentinien, Chile, Peru und Bolivien beginnen

Am 1. November werden wir unserem Gefährt auf dem Luftweg folgen und hoffen, dass wir es dann fahrbereit wieder in Empfang nehmen können. Nur noch fünf Wochen, schon seit einigen Tagen hängt ein Maßband an unserem Spiegel im Flur, von dem jeden Tag ein Zentimeter abgeschnitten wird. Vor drei Jahren haben wir uns entschieden ein halbes Jahr in Südamerika zu verbringen und jetzt ist es greifbar nahe. Zurückblickend wissen wir nicht, wo die drei Jahre geblieben sind, jetzt ziehen sich die letzten Tage wie ein Kaugummi, das viel zu lange gekaut ist und mittlerweile vollkommen den Geschmack verloren hat. Noch fünf Wochen den alltäglichen Verpflichtungen ausgesetzt und dann Freiheit, sechs Monate selbstbestimmt leben, nicht ständig erreichbar sein, kein Stress im herkömmlichen Sinne. Neue Eindrücke, neue Menschen, neue Geschichten, von denen jede einzelne besonders ist und uns unser Leben lang begleiten wird. Diese Geschichten schreiben wir in erster Linie für uns auf, als Gedankenstütze, schöne Erinnerung für die Jahre nach der Reise, denn das geschriebene Wort kann nur in Zusammenhang mit dem Erlebten genau die Gefühle auslösen, die uns auf dieser Reise zuteil werden, aber der ein oder andere kann mit vielleicht eigenen Erfahrungen seine eigene Geschichte daraus machen und davon profitieren und ins Träumen geraten . Die lieben Menschen, die uns kennen, können sich wahrscheinlich die ein oder andere Situation noch besser vorstellen und werden uns intensiv begleiten können, wir wollen euch an der Geschichte teilhaben lassen, nicht um Neid zu erzeugen, sondern um unsere Erfahrungen mit euch zu teilen und euch zu motivieren, vielleicht mal etwas ähnliches zu machen. Es muss ja nicht gleich ein halbes Jahr sein. Deshalb wird es neben den Geschichten einige Tipps geben für diejenigen, die auf unseren Spuren reisen wollen.

Wir werden versuchen dieses Mal auch den kulinarischen Aspekt mehr zu beleuchten und zwar nicht nur dadurch, wie viel, wann und warum wir gegessen haben, sondern wir werden nach Originalrezepten in den einzelnen Ländern suchen, die sie zu Hause am eigenen Herd nachkochen können.

Wir, das sind Guido, Almut und Guido, wünschen allen Lesern viel Spaß beim Lesen, Kochen und Träumen.



 

Die Verschiffung

Leider muss ich die erste Illusion direkt wieder zerstören, denn ganz so einfach und schön ist die Verschiffung unseres Autos dann doch nicht. Es ist nicht ganz leicht, wenn man völlig unbedarft an die Organisation einer solchen Reise geht. Bevor wir die Agentur unseres Vertrauens finden sollten, geht doch einige Zeit ins Land.

Durch Internetrecherche, Tipps von Freunden und Bekannten, Fachzeitschriften usw. haben wir es zumindest geschafft ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen. Der Name „Grimaldi“ fällt fast immer. Dann ist es ja kein Problem, denke ich und rufe direkt bei Grimaldi an.

„Für Privatpersonen machen wir es nicht mehr!“, ist dann die Information, die mir der freundliche Herr am anderen Ende der Leitung gibt. Also suchen wir weiter, brauchen wir doch jetzt eine Agentur, die uns an Grimaldi weiterverkauft. Ein Irrsinn, sind wir doch so kurz vor der Lösung des Problems gewesen.

Diverse Unternehmen werden angeschrieben, antelefoniert und besucht und es werden uns komplett unterschiedliche Angebote gemacht. Von Ro Ro, was so viel heißt wie „Roll on, Roll off”, was so viel heißt wie „Draufrollen und Runterrollen“. Da wir Runterrollen schon mal gar nicht wollen, und die Containervariante letztendlich günstiger ist, entscheiden wir uns einen 20 Fuß Container zu mieten. Fehlt nur noch die Firma, die uns den richtigen Container auf dem richtigen Schiff vermietet.

Den entscheidenden Tipp bekommen wird von der Firma Seabridge, die geführte Wohnmobilreisen auch nach Südamerika anbieten und zwar im eigenen Wohnmobil. Die Firma verschifft also vorab ihr Wohnmobil, um dann vor Ort bequem in den eigenen vier Wänden das Land genießen zu können.

Eine schöne Idee, wenn da nicht die geführte Gruppenveranstaltung dran hängen würde, was uns dann doch abschreckt, weil wir lieber auf eigene Faust das Land erkunden wollen. Zudem ist es verständlicherweise nicht ganz günstig eine solche Reise zu buchen.

Da die Firma Seabridge ansonsten keine privaten Wohnmobile mehr verschifft, also außerhalb der zu buchenden Reisen, gab uns die freundliche Mitarbeiterin (unter Vorhalt einer durchgeladenen Pistole) die Adresse der Agentur. Tja, so einfach geht das… man muss es nur wollen.

Die Firma die unsere Verschiffung realisieren wird heißt:

TRANSCAMION Logistic GmbH,Bodenseestr.581241 MünchenTel: +49 89 896073-0

Wir buchen hier zunächst einmal nur die Hinfahrt. Es ist schon relativ teuer, wir bezahlen ca. 1200 Euro. Darin ist enthalten das Verpacken unseres Autos in Hamburg am Hafen in den Container, die Hafengebühren in Hamburg und natürlich die Schiffsfahrt mit der Gran Amburgo. Hinzu kommen noch mal ca. 700 Euro in Buenos Aires an Hafengebühren und für die Firma, die unser Auto wieder entpacken soll. Nun gut, ein Wohnmobil dort unten oder hinten zu mieten, würde uns 10000 Euro für das halbe Jahr kosten. Sicherlich wird der ein oder andere jetzt aufschreien und sagen, „Ja, aber man hätte doch dort unten oder hinten ein Auto kaufen können und nachher wieder verkaufen können.“ Klar hätte man das, aber wir wissen auch genau, wie wir nach einem 24stündigen Hinflug aussehen und das ist nicht schön und dann loszuziehen in Buenos Aires den Autoverkäufer unseres Vertrauens zu finden und dann auch noch das zu uns passende Auto auf Funktionstüchtigkeit zu überprüfen, wo wir fast Null Ahnung von Autos haben? Nein, dass wollen wir uns wirklich nicht antun. Uns bleibt natürlich das ungute Gefühl, was passiert, wenn unser Autochen doch nicht angekommen ist und irgendwo alleine auf den sieben Weltmeeren schwimmt oder gar gesunken ist. Tja, dann können wir es auch nicht ändern. Dann müssen wir halt improvisieren und doch zum Autohändler laufen.

Nun aber zurück zur Verschiffung…

Am 21.09.2007 ist es soweit, wir bringen schon viel zu früh morgens unser Auto in Richtung Hamburg ohne Frühstück. Kein wirklich schöner Tagesbeginn. Die letzten Tage haben wir damit verbracht unseren „El Vagabundo“ (auf deutsch: „der Vagabund“) auf Vordermann zu bringen und schon mal mit den ersten Schlüpfern und Schlafsäcken zu bestücken. Wir wollen am Flugtage dann nur noch eine kleine Reisetasche und kleinere Rucksäcke mitnehmen, die man auch für Tageswanderungen benutzen kann. Guido will partout keine Kleidung einpacken, weil er befürchtet, dass seine einzigen (HaHa!) Unterhosen auf hoher See verschütt gehen könnten. Nun ja soll er ruhig, ich bin ja derjenige, der nachher dann wieder die schweren Reisetaschen tragen darf.

Almut packt hingegen schon mal vom Haarfärbemittel über T-Shirts und ca. 100 Taschenbücher (am liebsten hätte sie wirklich so viele mitgenommen) alles ein, was sie für ein halbes Jahr braucht oder auch nicht.

Mit Ersatzreifen, Warnwesten, Campingstühlen und Büchern ausgerüstet geht es also viel zu früh nach Hamburg. Erstes Fernweh und ein bisschen Nervosität machen sich breit, als ich das Schild zum Freihafen sehe. Wir müssen zum Schuppen 48 und ich bin gespannt, was uns dort erwartet. Das Gelände des Hafens ist riesig und so dauert es erstmal ein bisschen bis wir die richtige Zufahrt gefunden haben. Etwas irritieren mich die Schilder Fruchtschuppen und Bananenschuppen. Unser Auto wird jawohl nicht mit einem Bananentransporter verschifft, dann aber endlich doch noch der Schuppen 48. Gut, von Schuppen sieht man nicht wirklich viel, nur eine Schranke und ein Häuschen an dem man sich anmelden muss. Es herrscht reger Verkehr, LKWs aus allen Ländern kommen und holen Bananen ab. Wir halten unseren Vorgang natürlich für den Wichtigsten überhaupt, die Herren in der Anmeldung leider nicht. Kurz abgefertigt wird uns nur die Richtung beschrieben in die wir fahren sollen. Das heißt, in die Guido fahren soll, weil ich nämlich mit unserem Benz draußen bleiben muss.

Guido schaut noch etwas ungläubig, begibt sich dann aber alleine auf das riesige Gelände und taucht eine halbe Stunde später wieder auf. Etwas entsetzt berichtet er, dass er den Wagen einfach auf einem riesigen Parkplatz mit steckendem Schlüssel stehen lassen sollte und dass das alles war.

Hätten wir beim Verpacken dabei sein wollen, hätten wir es ein paar Tage vorher ankündigen müssen. So sehen wir nicht mal die Farbe unseres Containers und fragen uns, wie wir ihn in Buenos Aires wiederfinden sollen.

Jetzt ist er weg, wir können also nur hoffen, dass am 28.09.2007 die Gran Amburgo tatsächlich mit den an Deck stehenden Matrosen in den Hafen einläuft und unser Auto mitnimmt. Uns winkt auf jeden Fall keiner zu, nicht mal der Mann an der Schranke, als wir verschwinden.

Nur noch fünf Wochen, dann geht es los, wir freuen uns.

 






Der Freihafen ist nicht mehr weit....



Zufahrt zum Schuppen 48


Hasta  luego Vagabundo! 


 

Unsere geplante Reiseroute

Argentinien - Chile - Peru - Bolivien


 

Kurz vor dem Start!

Die letzten Wochen sind jetzt im Rückblick doch unglaublich schnell verflogen. Im Moment leben wir nur noch nach dem Motto: „Haben wir alles?“, „Ist alles erledigt?“, „Sind alle besucht und wurden alle noch mal angerufen?“ Wir geben noch mal richtig Gas, um wirklich niemanden zu vernachlässigen, denn wir wissen ja, nur noch zwei Tage und dann ist Donnerstag, der 1. November 2007. Der Tag an dem wir nach Frankfurt zum Flughafen fahren.

 

Wir werden darauf vertrauen, dass die Lokführer an diesem heiligen Feiertag nicht streiken. Denn dann müssten wir schnell umdisponieren und Maik bitten uns nach Frankfurt zu bringen.

Was kann schöner sein, als Allerheiligen in die Sonne zu fliegen, während hier die Wolken und Gesichter tief hängen und die Menschen sich von einer Depression in die Nächste schieben. Das tut uns wirklich sehr leid, aber nein, da können wir jetzt leider keine Rücksicht mehr drauf nehmen, denn 26 Grad wolkenlos warten auf uns in Buenos Aires.

Der Flug wird bestimmt kein Zuckerschlecken, aber der Hinflug ist ja meistens noch sehr gut zu ertragen. Man steckt voll froher Erwartung und kann erst dann glauben, dass es richtig los geht.

Wir werden auf jeden Fall um 13.00 Uhr am Hiltruper Bahnhof stehen, noch einmal winken und dann mit dem Zug davon fahren, um am 24. April 2008 wieder zu kehren. Ich bin mir sicher, dass sich am Hiltruper Bahnhof bis dahin nicht viel verändert hat, wir jedoch werden um einige Erfahrungen reicher sein.

Die Reisetasche steht schon im Wohnzimmer bereit. Eine Tasche und für jeden einen kleinen Rucksack, das muss reichen, weil wir ansonsten Probleme bekommen, die Sachen in unserem Auto zu verstauen. Almut hat ja schon fast alles im Auto, so dass wir mit dem Platz auskommen werden.

Neben Hosen, Hemden und T-Shirts nehmen wir natürlich auch Handschuhe, Mützen und dicke Pullover für die Anden mit. Es soll ja sehr kalt werden können. Dann dürfen die Euro-international -Stecker nicht fehlen, genau wie ein Wasseraufbereitungsgerät, mit dem man selbst Matschwasser filtern und trinken kann. Den Laptop oben drauf mit Kartenleser, Kameras, USB Sticks, 12 Volt Ladegeräten, Taschenmesser, Sonnenbrille und Mundharmonika. Reiseführer nicht vergessen, Terraband für die Fitnesseinheit zwischen den Wanderungen, Autan, Seidenjugendherbergsschlafsäcke (siehe Reisebericht Vietnam) und noch ein Taschenbuch für jeden, den MP3 Player, wenn man das Gerede der anderen Beiden nicht mehr hören kann. Kohlestifte und Zeichenblock, muss ja alles mit, auch wenn ich noch nicht weiß, ob mich unterwegs die Muse küsst. Natürlich darf das Wörterbuch nicht fehlen für die ganz schwierigen Fälle. Die ganzen Papiere, Flugtickets, Voucher und Verträge mit der Reederei, Pässe, Passkopien, einige GPS Daten, oh, genau das GPS Gerät muss auch noch mit. Einen Kompass für die ganz Orientierungslosen und ein Rasierapparat und die Haarscheren für die Eitelkeit kommen auch noch in die Tasche. Einen Kulturbeutel für jeden, den pulverisierten Rotwein in Tüten, den man nur mit Wasser aufgießt und dann ein unglaubliches 8,5 % Vol Vergnügen hat und die Badehosen nicht vergessen.

So ich glaube, dass wir alles haben und wenn nicht, kann ich es auch nicht ändern.

 

Guido und ich haben schon frei, während Almut bis zum letzten Tag durcharbeitet. Sie will dann erstmal den ganzen Flug verschlafen und das Schlimme daran ist, dass ihr das auch noch gelingt, während ich mit meinen langen Beinen wieder im Gang rumstehe und nicht weiß, wo ich es suchen soll. Wir fassen es noch nicht wirklich, dass wir jetzt ein halbes Jahr nicht mehr arbeiten müssen. Es ist schon ein komisches, aber gutes Gefühl. Ab und an zeigt sich die Aufregung in einem Kribbeln und Ziehen in der Magengegend, huch da war es schon wieder.

 

Argentinien, wir kommen!




 
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